Raus aus der Opferrolle

 

dasGute Ach, manchmal und eine gewisse Zeit lang sitzt es sich ganz bequem und gemütlich in der Opferrolle. Ich kann dann darüber nachdenken und mich richtig bemitleiden, dass es anderen immer besser geht als mir, dass die süßesten Kleidchen immer nur für die anderen da sind, das Gras auf der anderen Seite des Zaunes sowieso nicht nur grüner ist, sondern auch noch besser schmeckt. Dass ich kein Geld und zu wenig Zeit habe, während andere (die es natürlich gar nicht oder mindestens weniger als ich) verdienen, durch die Welt jetten oder in der Karibik rumyachten. Ach ja …. *tiefer Seufzer*
Ungerecht! Und überhaupt, wer sollte mich denn bemitleiden, wenn nicht ich selbst damit beginne? Heißt doch auch, nur wer sich selbst liebt kann andere lieben.

Halt! Halt!

Wenn wir ehrlich sind zu uns selbst und zu den anderen, dann geht es denen bei genauer Betrachtung wahrscheinlich auch nicht besser als uns. Ich habe eine wunderschöne Freundin, die hat alles, was ich gerne hätte: sie ist 1,80m groß, hat eine super Figur und lange, volle Haare. Ich gehe gerne mit ihr shoppen, weil ich auf diese Art in Läden komme, die ich allein niemals betreten würde. Wegen des Größenangebotes. 
Und was muss ich feststellen? Meine schöne Freundin hat die gleichen Probleme beim Kleiderkauf wie ich. Die Hosen zu kurz oder zu weit, die Schuhe zu klein oder zu hässlich, die Blusen haben Problemärmel. Und ihre tollen Haare trägt sie praktischerweise meist als Zopf.

Hm! Hm? Wo ist also das Problem? Hat sie eins? Oder ich? Oder ist die Modeindustrie schlicht und einfach zu dämlich, außerhalb ihrer Box zu denken und mal nicht so zu tun, als seien alle Menschen gleich gebaut? Um warum sollte das mein oder ihr Problem sein?

Als dicke Frau fühlt man sich immer irgendwie schuldig daran, dass man nicht in die gängigen Konfektionsgrößen passt. Ist es meine Schuld, dass meine Figur so ist wie sie ist? Ich denke nicht, dazu versuche ich schon viel zu lange, sie zu ändern. Mit so wenig Erfolg, dass ich zu der Erkenntnis gekommen bin: es ist die Schuld der Kleiderhersteller, dass sie ihre Kleidung nicht für die Frauen schneidert, die Größe 44 und mehr tragen. Welch ein Geschäft lassen sie sich da entgehen?
Eigentlich könnte man sie bemitleiden …..

Dieser Wechsel der Perspektive kann einem das Verlassen der Opferrolle wirklich erleichtern. Auch die Erkenntnis, dass nicht all meine Probleme mit meiner Figur zu tun haben hilft. Die anderen haben die gleichen, selbst wenn sie sie besser in Kleidung von der Stange verpacken können.

Unknown-1Ich möchte empfehlen, damit aufzuhören, sich stets auf die vermeintlichen Schwachstellen zu konzentrieren. Auf diese ohne Notwendigkeit hinzuweisen. Zu versuchen, sie zu verstecken oder zu – Achtung mein Hasswort! – kaschieren. Das führt nur immer weiter in die Frustration, bis sich wieder alles so anfühlt wie ….. siehe oben.

Raus aus der Opferrolle. Vom Grübeln ins Tun kommen. Nicht so viel nachdenken, einfach mal etwas ausprobieren. Eine andere Farbe als die üblichen? Die Haare mal anders als sonst? Etwas ausprobieren, was man sich schon lange nicht mehr zutraute? Was kann denn schon passieren? Ich schätze, die Erde tut sich nicht auf. Auch werden Passanten wahrscheinlich nicht schreiend davon rennen. Weder werden sie mit Fingern zeigen noch ihre Kleinkinder in Sicherheit bringen. 
Die sind nämlich im Wesentlichen mit ihren eigenen Dingen beschäftigt und haben ziemlich wenig Zeit, sich auch noch mit unseren Angelegenheiten zu beschäftigen. 
Und wenn schon ….

 

Beste Grüße
FrauHein

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Mein Name ist Edda, ich bin 57 Jahre alt und man sagt mir ein Händchen für Styling nach. Da ich gerne mit Menschen zu tun habe, hätte ich Lust, hier Stylingtipps und allerlei Praktisches/Faktisches im Zusammenhang mit Mode und Style aufzuschreiben.
My name is Edda, I was born 57 years ago and I am told that I have a great style. I like to be with people and my idea is to use this blog to give all kinds of practical/factual information regarding fashion and style.
Du findest mich auch hier / You can also find me here:
Raus aus der Opferrolle was last modified: March 22nd, 2015 by Edda Hein

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