Eindruck – Barbara (kein normales Frauenmagazin)

Vorab möchte ich gleich betonen, dass ich Barbara Schöneberger, so wie ich sie aus dem TV kenne, sehr gerne mag. Und das schon zu Zeiten, als sie noch bei “Bube, Dame, Hörig” die Spielkarten umdrehte.

BarbaraSeit einiger Zeit gibt sie nun eine Zeitschrift heraus, ein Magazin, das kein normales Frauenmagazin sein soll, so der Anspruch. Wenn ich überlege, was ich mit einem normalen Frauenmagazin assoziiere, dann bin ich schon überfordert – ich kenne sowohl die Brigitte, als auch die Emma, ich kenne das Missy Magazin und die Cosmo und dachte, damit sei der Großteil der weiblichen Leserschaft, normal und unnormal (was immer das heißen mag) gut bedient. Meine Erwartungshaltung stieg.

Auf dem Titelblatt die Herausgeberin selbst, quietschfröhlich wie wir sie kennen und schätzen, dazu der Hinweis auf Artikel über den Alltag runder Frauen, zu der Frage, ob dünne Männer sexy sind, eine Anleitung dazu, es richtig krachen zu lassen und das Versprechen, das alles sei ohne BMI und JoJo-Effekt zu genießen.

Ich schlage das Titelblatt um und widme mich dem Editorial. Da steht, man habe ab Seite 130 Rezepte für kleine Törtchen im Heft. Im nächsten Satz dann dies: “(…) solange wir nicht aussehen wie die uneheliche Tochter des Michelin-Männchens, ist doch alles in Sahne!”. Prompt frage ich mich: “Und wenn doch?? Was dann??”. Ist das nicht die klassische Frauenzeitschriftmasche: Im Mittelteil die Diät, im hinteren Teil des Heftes die Rezepte? Ich seh da keinen Unterschied zu jedem anderen “normalen” Frauenmagazin. Den Mund wässrig machen und dann zur Zurückhaltung mahnen, das ist in meinen Augen nicht nur komplett schizophren sondern reflektiert auch ein Frauenbild jenseits dessen, wie ich z.B. wahr genommen werden möchte. Von allem immer nur ein bisschen, sonst macht es dick, betrunken, klug oder aufsässig, Göttin bewahre.

Beim Weiterblättern fällt mein Blick auf die unerlässliche Werbung – Kosmetik und Mode vor allem. Dünne Models, die darüber hinaus Produkte bewerben, die die typisch weiblichen Defizite verbergen oder gar auslöschen sollen, Falten, Müdigkeit, mangelnde Strahlkraft etc.pp. Ich kann dazu gar nichts mehr schreiben außer, dass ich mir in einem Magazin, welches unnormal sein will, andere Werbung (ich weiß gar keine Werbung würde den Verkaufspreis in Höhen treiben, die die Zielgruppe sicher nicht zu zahlen bereit wäre)  gewünscht hätte. Schwamm drüber, ich les das eh nicht.

Das Magazin deckt inhaltlich alles ab, was sich  den so genannten normalen Frauenzeitschrift ebenso findet – Mode, Kosmetik, Reisen, Rezepte. Einrichtung. Das Ganze deutlich weniger trutschig als das Magazin mit dem anderen Frauennamen im Titel, mehr etsy als Hess Natur, deutlich auf eine jüngere Zielgruppe (wie alt ist eigentlich Frau Schöneberger? 42, ah ja.) ausgerichtet.

Ich komme im Beauty-Teil zu einer Fotostrecke, deren letztes Foto eine Frau von hinten zeigt (ICH sehe Kurven nur angedeutet, aber vielleicht hab ich nur keinen Blick dafür), auf deren verlängertem Rücken eine Männerhand ruht. Er verteilt Lotion auf ihrem Körper. Was ich prinzipiell nicht schlecht finde, auch wenn ich selbst noch durchaus an diese Teile meiner Anatomie gelange, um mich zu pflegen. Aber ehrlich gesagt hätte ich gerne mehr von dem Herrn mit den interessanten Tattoos auf den Armen gesehen. Nackte Frauen in einem Frauenmagazin, wozu???? Wir wissen, wie wir aussehen. Und wenn wir nicht wissen, wie wir von hinten aussehen, dann hat das einen verdammt guten Grund.

Schließlich die Rubrik “Liebe Karriere, …” – da steht doch direkt unter der ersten Überschrift folgendes: “Männer wollen respektiert werden, Frauen wollen gerngehabt werden.” Ach ja? Man stelle sich an dieser Stelle bitte vor, wie meine rechte Augenbraue nach oben schnellt (muss ich mir selbst auch vorstellen, denn ich Echtigkeit kann ich das nicht.). So ist das also, endlich weiß ich, warum ich nie Karriere gemacht habe. Weil ich respektiert werden will. Bin ich nun keine Frau, weil mir das Gerngehabtwerden speziell im Beruflichen weit weniger wichtig ist als a) im Privaten und b) der Respekt. Was ist denn das für eine Botschaft? Wollen Männer nicht gerngehabt werden? Aus meiner eigenen Erfahrung möchte ich behaupten, gerade Männer wollen noch viel mehr gerngehabt werden als Frauen, nur zeigen sie diese Bedürftigkeit auf manchmal sehr schräge Art. Eine solche Aussage – auch und besonders in ihrer Globalität und plumpen Unreflektiertheit lässt mich fast aus den Augen bluten. Das mag zum Teil mit meiner Allergie gegen Artikel zusammenhängen, die mit “Immer mehr ….” beginnen und weitermachen mit “alle” und “immer”-Aussagen. Zum anderen Teil betoniert diese Haltung ein Geschlechterverständnis, welches in einer zeitgenössischen Frauenzeitschrift aber mal gar nichts zu suchen hat.

Fazit – Dem Anspruch einer nicht normalen Frauenzeitschrift kann die “Barbara” nicht einlösen. Sie macht das, was alle anderen auch tun. Das Magazin ist ganz normal, nur etwas anders. Ein weiteres Frauenmagazin.

frauhein.

 

 

 

 

 

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Mein Name ist Edda, ich bin 57 Jahre alt und man sagt mir ein Händchen für Styling nach. Da ich gerne mit Menschen zu tun habe, hätte ich Lust, hier Stylingtipps und allerlei Praktisches/Faktisches im Zusammenhang mit Mode und Style aufzuschreiben.
My name is Edda, I was born 57 years ago and I am told that I have a great style. I like to be with people and my idea is to use this blog to give all kinds of practical/factual information regarding fashion and style.
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Eindruck – Barbara (kein normales Frauenmagazin) was last modified: February 16th, 2016 by Edda Hein

2 Comments

  1. Liebe Edda, vielen Dank somit habe ich Geld gespart, ich bin schon immer mal in Versuchung gekommen, nun bin ich quasi erlöst. Ich liebe übrigens die VIVA! – da lese ich alles! LG Coli

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  2. Der Michelin Mann war mir entgangen – das ist wirklich eine unglaubliche Frechheit. Und die denken immer, sie sind lustig. In der Tat – was ist eigentlich, wenn ich aussehe, wie der Michelin Mann? Das hätte ich so gern mal von einer dieser dumpfen Redaktionstussis beantwortet. Grrr…
    Liebe Grüße
    Nicola

    Reply

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